Google CEO Schmidt und seine Sicht des Internet
Montag, 22.11.2010Wir wissen, wo du bist. Wir wissen wo du warst. Wir wissen mehr oder weniger worüber du nachdenkst.
Eric Schmidt
So mancher wird sich noch erinnern können, als die Lehrer in den Schulen um das Jahr 2000 herum eine Internetadresse empfahlen: www.google.de. 10 Jahre später ist diese Site wahrscheinlich die Startseite von jedem zweiten Nutzer.

Quelle: Flickr
Der Erfolg des Unternehmens ist nicht zuletzt auf Eric Schmidt, CEO des Unternehmens, zurück zu führen. Eric Emmerson Schmidt ist am 27. April 1955 in Washington D.C. geboren und studierte Elektrotechnik und Informatik. Er arbeitete bei Bell Laboratories, Sun Microsystems und Novell.
Seit 2001 ist er Geschäftsleiter bei Google. 2008 unterstütze Schmidt Barack Obama im Wahlkampf und ist seit 2009 sein Berater in Technologiefragen.
Wegen der immensen Datenmengen, die Google verarbeitet, wird Schmidt von manchen als ‘Big Brother’ bezeichnet. Tatsächlich hat es Schmidt in einem Interview nach der WLAN-Panne mit Street View abgelehnt, die erfassten Daten zu löschen – entgegen Larry Page.
Seine umstrittenen Aussagen offenbaren einen differenzierten Blick auf die Beziehung zwischen Technik und Mensch. Er nennt es Augmented Humanity.
Visionen
In einem Interview mit der F.A.Z. erklärt er seine Gedanken über die Zukunft. Menschen sollen von ihren Computern beobachtet werden und bekommen so personalisierte Dienste. Der Computer sammelt Daten und wertet sie aus. Dabei sollen die technischen Geräte die Services auch ohne Aufforderung anbieten. So sollen z.B. auf dem Mobiltelefon die Sehenswürdigkeit einer Stadt auftauchen, wenn das Gerät weiß, dass ich als Tourist unterwegs bin. Das Internet soll in Zukunft nicht nur dazu dienen, Informationen abzurufen. Die Geräte sollen stattdessen wissen, was um einen herum passiert und diese Informationen sinnvoll mit anderen Informationen aus dem Internet verknüpfen. Dabei soll die Biografie des Betroffenen eine entscheidende Rolle spielen, denn nur so kann die Maschine wissen, was die Person mag und was nicht. Schmidt spricht von einem allwissenden System. Nicht zuletzt deshalb empören sich viele Nutzer über Google. Einige bezichtigen Google sogar, die Weltherrschaft anzustreben.
Grenzen
Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun.
Eric Schmidt
Für viele erscheint diese Aussage als Bestätigung für den Datendurst Googles. Schmidt erklärt im o.a. Interview den richtigen Umgang mit der sich neu entwickelnden Technologie: Jeder trägt selbst Verantwortung für seine Veröffentlichungen. Was nicht alle wissen sollen, soll man nicht allen erzählen.
Ich zum Beispiel schreibe nicht jeden privaten Gedanken, der mir durch den Kopf geht, auf. Aber es gibt viele Jugendliche, die genau das im Internet tun.
Eric Schmidt
In Punkto Datenschutz setzt sich Google Grenzen. Nicht alles, was möglich ist, wird umgesetzt. Und die Gesetze des Landes werden eingehalten.
Was interessant ist: Trotz aller Vorwürfe wird Google intensiv genutzt. Wahrscheinlich einfach, weil die Alternativen nicht gut genug sind. Und auch wenn der CEO mit seinen Aussagen bei manchen aneckt, vielleicht ist er uns einfach im Denken etwas voraus. Wer weiß, wie sich das Web und die Technologie in den nächsten 10 Jahren entwickeln. Vielleicht sind dann wirklich persönliche Assistenten, die vieles über uns wissen, nicht mehr wegzudenken. Bleibt uns nur abzuwarten…

Angelika Dirsch


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