Über den richtigen Umgang mit Kritik im Web 2.0
Donnerstag, 10.09.2009Die Blogger-Welt ist in diesen Tagen in Aufruhr über eine Abmahnung des Sportartikelherstellers Jako an den Blogger Frank Baade. Der Fußballtrainer Baade übte in einem Blogeintrag Kritik an dem neuen Logo des Sportartikelherstellers und vergriff sich dabei wohl in der Wortwahl.
Nach der ersten Abmahnung und einer unterschriebenen Unterlassungserklärung wurde der Eintrag sofort offline gestellt. Eine weitere Unterlassungserklärung folgte, nachdem ein Newsaggregator den Eintrag indexiert hatte und dieser nun öffentlich auf dessen Seite zu lesen war.
Der Blogger hatte aber keinen Einfluss auf die automatische Indexierung des Eintrages. Die ausführende Rechtsanwaltskanzlei, die für den Sportartikelhersteller tätig wurde, reagierte wohl etwas übereifrig.
In einer Pressemitteilung des Unternehmens entschuldigte man sich nun für diese Vorgehensweise.
Rückblickend betrachtet wäre es viel besser gewesen, wir hätten mit Herrn Baade persönlich Kontakt aufgenommen und die Sache mit ihm direkt geklärt. Wir haben ganz offensichtlich überreagiert.
Rudi Sprügel, Vorstandsvorsitzender von Jako
Zweifel bleiben an den Fakten, die der Pressemitteilung zu entnehmen sind. Laut dem Blog allesaussersport.de, der als erster über diesen Fall berichtete, stellen sich die Dinge anders dar. Dort wird erklärt, dass sich Baade sehr wohl an die Unterlassungserklärung gehalten hat und nicht gegen eben diese Erklärung handelte und den Blogeintrag online stehen ließ. Außerdem wurde Baade demnach sofort eine erhöhte Vertragsstrafe auferlegt und nicht, wie in der Pressemitteilung behauptet, nur damit gedroht.
Vielleicht trägt dieses PR-Desater – welches zwischenzeitlich auch Einzug in große Tageszeitungen gefunden hat – dazu bei, dass mit solchen Fällen in Zukunft mediengerechter, vorausschauender und angemessener umgegangen wird. Die Offenheit für Kritik und die kommunikative Auseinandersetzung mit differenzierten Meinungen im Web 2.0 sollten in betroffenen Unternehmen immer Priorität haben.

Natalie Thurau


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